Buddhistische Ethik

Weiße Blumen

Die buddhistische Ethik wird durch eine Fülle von Regeln festgelegt, wobei zum einen zwischen Laien und Ordinierten und zum anderen zwischen den Sutrayana, Mahayana und Vajrayana unterschieden wird. Generell gelten weitere Regeln immer zusätzlich, so dass die früheren gültig bleiben.

Die fünf Übungsregeln / Silas

Insbesondere Nicht-Ordinierte nehmen im Buddhismus oft die fünf Silas oder Übungsregeln an:

  • Ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens, Leben zu nehmen, an.
  • Ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens vom Stehlen (nehmen was nicht gegeben ist) an.
  • Ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens von sexuellem Fehlverhalten an.
  • Ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens vom Lügen an.
  • Ich nehme mich der Übungsregel des Abstehens von der Annahme berauschender Mittel, die zur Gewissenlosigkeit führen, an.

Wie genau die Übungsregeln interpretiert werden, unterscheidet sich in den verschiedenen buddhistischen Traditionen.

Die Zehn Tugenden

Die zehn Tugenden überschneiden sich teilweise mit den fünf Übungsregeln, sind aber deutlicher in die Bereiche von Körper, Rede und Geist unterteilt:

  1. Das Aufgeben von Töten
  2. Das Aufgeben von Stehlen
  3. Das Aufgeben von sexuellem Fehlverhalten
  4. Das Aufgeben von Lügen
  5. Das Aufgeben von zwieträchtiger Rede
  6. Das Aufgeben von grober Rede
  7. Das Aufgeben von sinnloser Rede
  8. Zufriedenheit (Gierlosigkeit)
  9. Ein freundliches Herz und liebevolle Absichten
  10. Rechte Weltsicht / Ansicht

Die Vier Erhabenen Verweilzustände

Die Vier Erhabenen Verweilzustände (Brahmaviharas, die Unermesslichen/Grenzenlosen) sind Geisteshaltungen, die sowohl im Alltag als auch in der Meditation geübt werden (vgl. Sutta MN 83, Metta-Sutta):

  1. Liebevolle Güte (Metta)
  2. Mitgefühl / Anteilnahme (Karuna)
  3. Mitfreude (Mudita)
  4. Gleichmut (Upekkhā)

Wichtig hierbei ist, dass diese Geisteszustände als unendlich, bedingungslos und unparteiisch geübt werden. Dadurch ergeben sich sowohl in diesem Leben als auch in folgenden vielfältige positive Auswirkungen.

Die Vier Erhabenen Verweilzustände können als Suggestionsdusche eingeübt werden. Eine geführte Metta-Meditation befindet sich beispielsweise auf meiner Seite www.sati-meditation.de.

Die Elf heilsamen Geistesfaktoren

Auch die elf heilsamen Geistesfaktoren gelten in allen buddhistischen Traditionen:

  1. Glauben / Vertrauen
  2. Integrität (persönliche Gewissenhaftigkeit / Selbstrespekt)
  3. Rücksicht auf andere nehmen
  4. Frei sein von Anhaftung
  5. Frei sein von Hass (stattdessen Liebe, Wohlwollen, Vergeben, Tapferkeit)
  6. Frei sein von Verwirrung
  7. Freudige Anstrengung / Tatkraft
  8. geistige Flexiblität / geistige Geschmeidigkeit
  9. Gewissenhaftigkeit
  10. Frei sein von Grausamkeit / Mitgefühl
  11. Gleichmut / Balance (zwischen Aufregung und Lethargie)

Entsagung von den Acht Weltlichen Prinzipien

Buddhisten üben sich darin, ihr Verhalten nach der Lehre des Buddhas, dem Dharma, auszurichten und sich nicht von den Acht Weltlichen Prinzipien beeinflussen zu lassen:

  1. Gewinn und Verlust
  2. Anerkennung und Verachtung
  3. Lob und Tadel
  4. Freude und Leid

Ist eine Tat von den Acht Weltlichen Prinzipien motiviert, dann ist sie kein Dharma. Das gilt auch für großzügige und religiöse Handlungen.

Ist eine Tat allerdings mit der Motivation Nirvana zu erreichen (Sravakayana) oder mit der Motivation ‚Zum Wohle aller Lebewesen die Buddhaschaft zu erreichen‘ (Bodhicitta: Mahayana, Vajrayana) durchgeführt, wird sie zu Dharma. Das gilt auch für alltägliche Handlungen, wie z.B. essen oder spazierengehen. Die Motivation ist im Buddhismus wichtiger als die Tat an sich.

Die Bodhisattva-Gelübde und tantrische Gelübde

Die Bodhisattva-Regeln gelten für alle, die die Bodhisattva-Gelübde genommen haben. Ein Bodhisattva lebt aus der Motivation heraus, zum Nutzen aller Lebewesen die Buddhaschaft zu erreichen. Diese Motivation wird als Bodhicitta bezeichnet. Für einen Bodhisattva sind alle hier genannten Regeln gültig und es kommen weitere hinzu, wie zum Beispiel, dass Entschuldigungen akzeptiert werden müssen und andere nicht herabgewürdigt werden dürfen.

Um den tantrischen Buddhismus zu praktizieren, benötigt man Ermächtigungen aus der entsprechenden Traditionslinie. Diese sind mit weiteren Gelübden verbunden, die bis zur Ermächtigung geheim sind.

Gelübde für einen Tag, Mönchs- und Nonnengelübde

Desweiteren gibt es im Buddhismus für Laien die Möglichkeit, acht Gelübde für einen Tag zu nehmen, was traditionell am Vollmond- und ggf. zusätzlich am Halbmondtag durchgeführt wird (Uposatha-Tag). Die fünf Übungsregeln (s. oben) werden dann um den vollständigen Verzicht auf sexuelle Handlungen, Handlungen für die persönliche Unterhaltung, Verschönerungen des Körpers, Essen nach Sonnenhöchststand und die Benutzung von luxuriösen Möbeln erweitert.

Die Mönchs- und Nonnengelübde sind wesentlich umfangreicher und sind im Vinaya, den Ordensregeln, festgelegt.

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